TonjeHessenSchei

Regisseurin Tonje Hessen Schei: Drohnen verändern den Krieg – und möglicherweise auch unsere Zukunft

netwars / out of CTRL hat mit Regisseurin Tonje Hessen Schei über ihre aktuelle Dokumentation DRONE gesprochen und sie zu den Schattenseiten der Drohnen-Technologie und den Auswirkungen dieser Form der Kriegsführung auf den menschlichen Verstand befragt.

DRONE ist eine Dokumentation über den geheimen Drohnenkrieg der CIA. Die Dokumentation wird im Rahmen des Arte-Themenabends “Krieg in der Fünften Dimension” direkt nach netwars / out of CTRL ausgestrahlt. Sendetermin ist der 15. April, 21.10 Uhr. Unbedingt einschalten!

1. Was hat Dich dazu bewegt, diesen Film zu machen und was ist die Idee hinter “Drone”?

Die Idee zu DRONE kam mir, als ich auf die Story von einem Spieler gestoßen bin, der die High School verließ und anschließend zur Army ging. Wegen seiner Fähigkeiten als Spieler wurde er schnell als Drohnen-Pilot rekrutiert. Schon mit 19 Jahren war er Ausbilder und unterrichtete andere Drohnen-Piloten. Ich bin sehr interessiert und fasziniert von dieser verschwommenen Linie zwischen virtueller und realer Welt. Als Obama versprach, das Gefangenenstraflager Guantanamo zu schließen und stattdessen den Drohnenkrieg beschleunigte – das bis dato größte gezielte Tötungsprogramm – habe ich entschieden, diesen Film zu machen.

DRONE TRAILER TV-Version from FlimmerFilm on Vimeo.

DRONE TRAILER TV-Version from FlimmerFilm on Vimeo.

2. Was sollen die Zuschauer aus dem Film mitnehmen?

Drohnen haben den Krieg verändert – und verändern möglicherweise auch unsere Zukunft. Dennoch wissen viele Menschen im Westen noch immer nicht, was eine Drohne ist. Wir entfernen uns immer weiter von den Kriegen die wir führen, und ich glaube dass die Konsequenzen des Drohnenkrieges der Öffentlichkeit bewusst gemacht und offen diskutiert werden müssen. Die Menschen müssen verstehen, was da passiert. Die USA schaffen mit ihrem Einsatz von Drohnen einen sehr gefährlichen Präzedenzfall. Europa zeigt ebenfalls Interesse am Erwerb bewaffneter Drohnen. Wir sind also an einem wichtigen Wendepunkt angelangt und ich glaube, dass wir strenge internationale Regeln für den Einsatz von Drohnen festlegen sollte. Ich bin außerdem der Meinung, dass es unbedingt eine Untersuchung geben muss, die aufklärt, wie viele Menschen durch Drohneneinsatze in Pakistan, im Yemen und in Somalia getötet wurden. Wir sprechen über ein Jahrzehnt der Kriegsführung mit Drohnen, zu dem es weder genaue Zahlen noch Transparenz gibt – das ist inakzeptabel. Für mich ist es sehr wichtig, dass wir das Thema Drohnenkrieg auf die Agenda setzen.

Recruiterwithkid_LucianMuntean
Ausbilder mit Kind; copryright: Lucian Muntean

3. Du hast Dich dem Thema genähert, indem Du Dir die Spieleindustrie genauer angeschaut und beobachtet hast, wie das US-Militär dort junge Spieler für ihre Programme rekrutiert. Was weißt Du nach all diesen Recherchen über die Ausbildung der Drohnenpiloten? Glaubst Du, dass sie sich der wahren Konsequenzen ihrer Handlungen bewusst sind? Wie geht das Militär sicher, dass sie sich über die schmale Grenze zwischen kriegerischen Videospielen und einem Krieg bewusst sind?

Die Spieler haben wichtige Fähigkeiten, die in der modernen Kriegsführung sehr nützlich sind, deshalb zielen die Rekrutierungsstrategien des Militärs weltweit auf Spieler ab. Die Verbindungen zwischen dem Militär und der Spieleindustrie sind sehr stark – das Militär greift auf Ratschläge und Instrumente der Spieleindustrie zurück, um die eigenen Operationen effizienter zu gestalten. Waffenfabrikanten besitzen sogar intellektuelle Rechte an einigen der Spiele, die auf dem Markt sind.

Mich faszinieren diese neuen Soldaten, die Menschen auf der anderen Seite der Welt nur mithilfe eines Joysticks töten. Das heißt nicht, dass die Drohnenpiloten sich in einem Videospiel wähnen. Es war sehr tiefgreifend zu sehen, welchen Einfluss diese Form des Tötens wirklich hat: Die Intimität nachdem man Menschen über lange Zeit beobachtet hat, dann das Töten auf Knopfdruck, dann Zeuge des Horros und Todes werden, den man am Boden angerichtet hat und schließlich oft ein zweiter Schlag gegen die Leute, die kommen um den Opfern zu helfen. Das alles hat schwerwiegenden Einfluss auf die Drohnenpiloten. Es verlangt ihnen andere Opfer ab und wir reden hier von einer ganz neuen Form von posttraumatischem Stress. Für mich sind die Drohnenpiltoten Teil eines großen Experiments von dem wir noch keine Ahnung haben und wir haben noch keine Ahnung, wie sich diese Form der Kriegsführung auf den menschlichen Verstand auswirkt.

4. Macht sich irgendjemand über die Sicherheit dieser Systeme Gedanken? Sind sich die Verantwortlichen im Klaren darüber, dass diese Systeme auch ausfallen können – oder schlimmer, das jemand sich ins System hacken und einfach die Kontrolle übernehmen könnte, um die Waffen gegen sie selbst zu richten?

Die Gefahr eines Hackerangriffs war bei Drohnen schon immer ein Thema. Iran beahuptet, eine Drohne übernommen und gelandet zu haben und wir werden die Konsequenzen davon noch zu spüren bekommen. Es ist ziemlich einfach, eine Drohne zu hacken. Während der Produktion von DRONE habe ich einen Professor getroffen, der gemeinsam mit seinen Studenten während eines Experiments für das US Department of Homeland Security in nur wenigen Stunden eine Drohne gehackt hat. Deshalb glaube ich, dass diese Gefahr überhaupt noch nicht ausreichend betrachtet wurde – auf der anderen Seite ist es eines des großen Argumente für autonome Systeme: Ein Hackerangriff einer autarken Drohne ist weniger wahrscheinlich. Das wirft aber ein ganz neues Spektrum an Fragen und Gefahren und ethischen Problemen auf.

Kidswithmissilepiece_NoorBehram
Kids with missile pieces, copyright: Noor Behram

5. US-Präsident Barack Obama hat die Art, wie Amerika heute seine Macht ausübt, in überraschender Weise verändert. Er hat Drohnenangriffe und Cyber-Attacken zu einem wichtigen Teil des Krieges erklärt – man muss nur an Stuxnet denken. Was denkst Du über diese Form der Kriegsführung?

Die Kriege der Zukunft werden ganz sicher in der digitalen Welt ausgetragen. Meine größte Angst ist, dass uns unfassbare Kriege bevorstehen, die von unsichtbaren Feinden durchgeführt werden, die sich weder an die bekannten Kriegsschauplätze noch an Gesetze, Menschenrechte, Transparenz oder Verantwortlichkeiten halten. In manchen Punkten finde ich es nicht schwer, mir vorzustellen, dass wir uns auf massive Cyberangriffe zubewegen, kombiniert mit dem Einsatz von Robotern. Hoffentlich sind wir aber bis dahin in der Lage, diese neuen Waffen zu kontrollieren und verfügen außerdem über ein starkes System an internationalen Gesetzen.

6. Wir erfahren in Deinem Film, dass die Drohnenpiloten ihre Ziele oft über Wochen oder Monate beobachten. Das ist eine sehr beängstigende Form des Voyeurismus und bringt uns zu den Themen Überwachung und Privatssphäre. Wie haben die Enthüllungen von Chelsea Manning und Edward Snowden Dich und die Arbeit am Film beeinflusst?

Manning und Snowden haben so viel verändert, und ihre Enthüllungen beweisen für mich, wie wichtig Transparenz wirklich ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir ein Recht darauf haben zu erfahren, was in unserem Namen getan wird und dafür ist es notwendig, alle Informationen zu haben, damit wir die Welt um uns herum verstehen. Wir leben in einem Zeitalter der Überwachung und die Jagd auf Whistleblower ist unter Obama förmlich explodiert. Für uns hat sich das vor allem auf die Arbeit mit unseren Quellen ausgewirkt Gleichzeitig versuchen wir mit unseren Recherchen mehr Transparenz zu erreichen, um Licht auf den geheimen Drohnenkrieg der CIA zu werfen.

7. Unterdessen denken Unternehmen wie Amazon laut darüber nach, Drohnen künftig etwa zum Ausliefern von Paketen einzusetzen. Wie hat der Film Deine Meinung zu diesen Entwicklungen verändert?

Der zivile Drohnenmarkt ist ein komplett anderes und neues Gebiet. Unser Film konzentriert sich auf den Einsatz von Drohnen zu Kriegszwecken. Ich persönlich bin überhaupt nicht begeistert davon, dass da irgendjemand irgendwas über meinem Kopf herumschwirren lassen möchte. Deshalb bin ich schon sehr besorgt darüber, welche Möglichkeiten Drohnen im Bereich der Überwachung bieten. Man denke nur an die Mini-Drohnen, die als Vogel, Biene oder Insekt getarnt werden, damit sie in der natürlichen Umgebung nicht so auffallen.

Trotzdem bin ich kein totaler Gegner der Drohnen-Technologie – ich glaube, dass es viele tolle Möglichkeiten gibt, die noch entdeckt werden müssen. Aber zuerst müssen wir für anständige Regulierung sorgen, um unsere Rechte zu schützen und zu verstehen, wohin diese Reise geht. Ich träume oft davon, mir Wein oder Essen zu bestellen und es mir von einer Drohne auf die Insel liefern zu lassen, auf der ich lebe. Ich besitze sogar selbst eine Drohne. Demnächst will ich lernen sie zu fliegen und sie dann über ein paar Orte hier in Norwegen steuern, sobald ich Zeit dafür habe.

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Über Tonje Hessen Schei

Tonje ist eine norwegische Dokumentarfilmerin, die seit 1996 unabhängige Dokumentarfilme macht. Sie ist Reggiseurin und Produzentin des preisgekrönten Dokumentarfilms “Independent Intervention” aus dem Jahr 2006. Eine weitere Produktion ist “Texas and the Death Penalty” aus dem Jahr 1997. Tonje hat einen Master in Film von der Universität in Trondheim, Norwegen und einen Bachelor in Film-Produktion von der University of Texas in Austin. Tonje ist Gründungsmitglied von Ground Productions, einer unabhängigen, internationalen Dokumentarfilmproduktionsfirma mit Sitz in Portland und Norwegen.

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netwars / out of CTRL hat mit Regisseurin Tonje Hessen Schei über ihre aktuelle Dokumentation DRONE gesprochen und sie zu den Schattenseiten der Drohnen-Technologie und den Auswirkungen dieser Form der Kriegsführung auf den menschlichen Verstand befragt.

DRONE ist eine Dokumentation über den geheimen Drohnenkrieg der CIA. Die Dokumentation wird im Rahmen des Arte-Themenabends “Krieg in der Fünften Dimension” direkt nach netwars / out of CTRL ausgestrahlt. Sendetermin ist der 15. April, 21.10 Uhr. Unbedingt einschalten!

1. Was hat Dich dazu bewegt, diesen Film zu machen und was ist die Idee hinter “Drone”?

Die Idee zu DRONE kam mir, als ich auf die Story von einem Spieler gestoßen bin, der die High School verließ und anschließend zur Army ging. Wegen seiner Fähigkeiten als Spieler wurde er schnell als Drohnen-Pilot rekrutiert. Schon mit 19 Jahren war er Ausbilder und unterrichtete andere Drohnen-Piloten. Ich bin sehr interessiert und fasziniert von dieser verschwommenen Linie zwischen virtueller und realer Welt. Als Obama versprach, das Gefangenenstraflager Guantanamo zu schließen und stattdessen den Drohnenkrieg beschleunigte – das bis dato größte gezielte Tötungsprogramm – habe ich entschieden, diesen Film zu machen.

DRONE TRAILER TV-Version from FlimmerFilm on Vimeo.

DRONE TRAILER TV-Version from FlimmerFilm on Vimeo.

2. Was sollen die Zuschauer aus dem Film mitnehmen?

Drohnen haben den Krieg verändert – und verändern möglicherweise auch unsere Zukunft. Dennoch wissen viele Menschen im Westen noch immer nicht, was eine Drohne ist. Wir entfernen uns immer weiter von den Kriegen die wir führen, und ich glaube dass die Konsequenzen des Drohnenkrieges der Öffentlichkeit bewusst gemacht und offen diskutiert werden müssen. Die Menschen müssen verstehen, was da passiert. Die USA schaffen mit ihrem Einsatz von Drohnen einen sehr gefährlichen Präzedenzfall. Europa zeigt ebenfalls Interesse am Erwerb bewaffneter Drohnen. Wir sind also an einem wichtigen Wendepunkt angelangt und ich glaube, dass wir strenge internationale Regeln für den Einsatz von Drohnen festlegen sollte. Ich bin außerdem der Meinung, dass es unbedingt eine Untersuchung geben muss, die aufklärt, wie viele Menschen durch Drohneneinsatze in Pakistan, im Yemen und in Somalia getötet wurden. Wir sprechen über ein Jahrzehnt der Kriegsführung mit Drohnen, zu dem es weder genaue Zahlen noch Transparenz gibt – das ist inakzeptabel. Für mich ist es sehr wichtig, dass wir das Thema Drohnenkrieg auf die Agenda setzen.

Recruiterwithkid_LucianMuntean
Ausbilder mit Kind; copryright: Lucian Muntean

3. Du hast Dich dem Thema genähert, indem Du Dir die Spieleindustrie genauer angeschaut und beobachtet hast, wie das US-Militär dort junge Spieler für ihre Programme rekrutiert. Was weißt Du nach all diesen Recherchen über die Ausbildung der Drohnenpiloten? Glaubst Du, dass sie sich der wahren Konsequenzen ihrer Handlungen bewusst sind? Wie geht das Militär sicher, dass sie sich über die schmale Grenze zwischen kriegerischen Videospielen und einem Krieg bewusst sind?

Die Spieler haben wichtige Fähigkeiten, die in der modernen Kriegsführung sehr nützlich sind, deshalb zielen die Rekrutierungsstrategien des Militärs weltweit auf Spieler ab. Die Verbindungen zwischen dem Militär und der Spieleindustrie sind sehr stark – das Militär greift auf Ratschläge und Instrumente der Spieleindustrie zurück, um die eigenen Operationen effizienter zu gestalten. Waffenfabrikanten besitzen sogar intellektuelle Rechte an einigen der Spiele, die auf dem Markt sind.

Mich faszinieren diese neuen Soldaten, die Menschen auf der anderen Seite der Welt nur mithilfe eines Joysticks töten. Das heißt nicht, dass die Drohnenpiloten sich in einem Videospiel wähnen. Es war sehr tiefgreifend zu sehen, welchen Einfluss diese Form des Tötens wirklich hat: Die Intimität nachdem man Menschen über lange Zeit beobachtet hat, dann das Töten auf Knopfdruck, dann Zeuge des Horros und Todes werden, den man am Boden angerichtet hat und schließlich oft ein zweiter Schlag gegen die Leute, die kommen um den Opfern zu helfen. Das alles hat schwerwiegenden Einfluss auf die Drohnenpiloten. Es verlangt ihnen andere Opfer ab und wir reden hier von einer ganz neuen Form von posttraumatischem Stress. Für mich sind die Drohnenpiltoten Teil eines großen Experiments von dem wir noch keine Ahnung haben und wir haben noch keine Ahnung, wie sich diese Form der Kriegsführung auf den menschlichen Verstand auswirkt.

4. Macht sich irgendjemand über die Sicherheit dieser Systeme Gedanken? Sind sich die Verantwortlichen im Klaren darüber, dass diese Systeme auch ausfallen können – oder schlimmer, das jemand sich ins System hacken und einfach die Kontrolle übernehmen könnte, um die Waffen gegen sie selbst zu richten?

Die Gefahr eines Hackerangriffs war bei Drohnen schon immer ein Thema. Iran beahuptet, eine Drohne übernommen und gelandet zu haben und wir werden die Konsequenzen davon noch zu spüren bekommen. Es ist ziemlich einfach, eine Drohne zu hacken. Während der Produktion von DRONE habe ich einen Professor getroffen, der gemeinsam mit seinen Studenten während eines Experiments für das US Department of Homeland Security in nur wenigen Stunden eine Drohne gehackt hat. Deshalb glaube ich, dass diese Gefahr überhaupt noch nicht ausreichend betrachtet wurde – auf der anderen Seite ist es eines des großen Argumente für autonome Systeme: Ein Hackerangriff einer autarken Drohne ist weniger wahrscheinlich. Das wirft aber ein ganz neues Spektrum an Fragen und Gefahren und ethischen Problemen auf.

Kidswithmissilepiece_NoorBehram
Kids with missile pieces, copyright: Noor Behram

5. US-Präsident Barack Obama hat die Art, wie Amerika heute seine Macht ausübt, in überraschender Weise verändert. Er hat Drohnenangriffe und Cyber-Attacken zu einem wichtigen Teil des Krieges erklärt – man muss nur an Stuxnet denken. Was denkst Du über diese Form der Kriegsführung?

Die Kriege der Zukunft werden ganz sicher in der digitalen Welt ausgetragen. Meine größte Angst ist, dass uns unfassbare Kriege bevorstehen, die von unsichtbaren Feinden durchgeführt werden, die sich weder an die bekannten Kriegsschauplätze noch an Gesetze, Menschenrechte, Transparenz oder Verantwortlichkeiten halten. In manchen Punkten finde ich es nicht schwer, mir vorzustellen, dass wir uns auf massive Cyberangriffe zubewegen, kombiniert mit dem Einsatz von Robotern. Hoffentlich sind wir aber bis dahin in der Lage, diese neuen Waffen zu kontrollieren und verfügen außerdem über ein starkes System an internationalen Gesetzen.

6. Wir erfahren in Deinem Film, dass die Drohnenpiloten ihre Ziele oft über Wochen oder Monate beobachten. Das ist eine sehr beängstigende Form des Voyeurismus und bringt uns zu den Themen Überwachung und Privatssphäre. Wie haben die Enthüllungen von Chelsea Manning und Edward Snowden Dich und die Arbeit am Film beeinflusst?

Manning und Snowden haben so viel verändert, und ihre Enthüllungen beweisen für mich, wie wichtig Transparenz wirklich ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir ein Recht darauf haben zu erfahren, was in unserem Namen getan wird und dafür ist es notwendig, alle Informationen zu haben, damit wir die Welt um uns herum verstehen. Wir leben in einem Zeitalter der Überwachung und die Jagd auf Whistleblower ist unter Obama förmlich explodiert. Für uns hat sich das vor allem auf die Arbeit mit unseren Quellen ausgewirkt Gleichzeitig versuchen wir mit unseren Recherchen mehr Transparenz zu erreichen, um Licht auf den geheimen Drohnenkrieg der CIA zu werfen.

7. Unterdessen denken Unternehmen wie Amazon laut darüber nach, Drohnen künftig etwa zum Ausliefern von Paketen einzusetzen. Wie hat der Film Deine Meinung zu diesen Entwicklungen verändert?

Der zivile Drohnenmarkt ist ein komplett anderes und neues Gebiet. Unser Film konzentriert sich auf den Einsatz von Drohnen zu Kriegszwecken. Ich persönlich bin überhaupt nicht begeistert davon, dass da irgendjemand irgendwas über meinem Kopf herumschwirren lassen möchte. Deshalb bin ich schon sehr besorgt darüber, welche Möglichkeiten Drohnen im Bereich der Überwachung bieten. Man denke nur an die Mini-Drohnen, die als Vogel, Biene oder Insekt getarnt werden, damit sie in der natürlichen Umgebung nicht so auffallen.

Trotzdem bin ich kein totaler Gegner der Drohnen-Technologie – ich glaube, dass es viele tolle Möglichkeiten gibt, die noch entdeckt werden müssen. Aber zuerst müssen wir für anständige Regulierung sorgen, um unsere Rechte zu schützen und zu verstehen, wohin diese Reise geht. Ich träume oft davon, mir Wein oder Essen zu bestellen und es mir von einer Drohne auf die Insel liefern zu lassen, auf der ich lebe. Ich besitze sogar selbst eine Drohne. Demnächst will ich lernen sie zu fliegen und sie dann über ein paar Orte hier in Norwegen steuern, sobald ich Zeit dafür habe.

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Über Tonje Hessen Schei

Tonje ist eine norwegische Dokumentarfilmerin, die seit 1996 unabhängige Dokumentarfilme macht. Sie ist Reggiseurin und Produzentin des preisgekrönten Dokumentarfilms “Independent Intervention” aus dem Jahr 2006. Eine weitere Produktion ist “Texas and the Death Penalty” aus dem Jahr 1997. Tonje hat einen Master in Film von der Universität in Trondheim, Norwegen und einen Bachelor in Film-Produktion von der University of Texas in Austin. Tonje ist Gründungsmitglied von Ground Productions, einer unabhängigen, internationalen Dokumentarfilmproduktionsfirma mit Sitz in Portland und Norwegen.