Julia Angwin (photo: Deborah Copaken Kogan), Angwin's book "Dragnet Nation" (Photo:juliaangwin.com)

Journalistin und Autorin Julia Angwin: Kriminelle sammeln ganz sicher unsere persönlichen Daten

netwars / out of CTRL hat mit der preisgekrönten Journalistin und Autorin Julia Angwin gesprochen, die ein Buch über Privatsphäre und das Sammeln von Daten geschrieben hat. Julia hat netwars von ihrem Werk “Dragnet Nation” berichtet, in dem sie beschreibt, wie sie ein Jahr lang versucht hat, ihre digitalen Spuren zu löschen.

 

1. Wann haben Sie sich dazu entschieden, ihr Buch “Dragnet Nation: A Quest for Privacy, Security, and Freedom in a World of Relentless Surveillance” zu schreiben? Was hat den Anstoß zu diesem Projekt gegeben?

Ich habe drei Jahre lang ein Team von investigativen Journalisten geleitet, die viel zum Thema Privatsphäre recherchiert haben. In dieser Zeit bekam ich das Gefühl, dass die anhaltenden Enthüllungen darüber, wie sehr wir alle verfolgt werden und wie viele unserer Daten gesammelt werden, bei den Lesern ein Gefühl der Hilflosigkeit auslöst. Deshalb habe ich irgendwann entschieden zu untersuchen, ob ich meine eigenen Daten kontrolliern kann: Ich nenne es manchmal eine Ermittlung darüber, ob es Hoffung für den Erhalt der Privatsphäre gibt.

 

Julia Angwin (photo: Deborah Copaken Kogan)

Julia Angwin (photo: Deborah Copaken Kogan)

 

2. Haben Sie während Ihrer Recherche Anhaltspunkte dafür gefunden, dass wir nicht nur von Unternehmen beobachtet werden, sondern auch von Kriminellen? Wenn ja, was hat Sie mehr beängstigt: Im Visier von Unternehmen und Regierungen zu sein oder in dem von Cyberkriminellen? Haben Sie sich an irgendeinem Punkt bedroht gefühlt? 

Kriminelle verfolgen ganz sicher unsere persönlichen Daten. Die wirklich schlauen Hacker nutzen heutzutage persönliche Daten – von LinkedIn oder Facebook-Seiten – um ihren Opfern Emails schicken zu können, die sehr persönlich auf sie zugeschnitten sind und echt wirken. Diese Emails enthalten dann malware, die es den Hackern erlauben, den Computer der betroffenen Person anzugreifen und ihn eventuell dazu zu benutzen, um über andere Computer die Kontrolle zu erlangen zum Beispiel innerhalb eines Unternehmens. Kurz gesagt: Hacker greifen heute eher Einzelpersonen als Intsitutionen an.

3. Die Grenze zwischen Überwachung und Unterdrückung ist schmal und kann schnell überschritten werden. Sie haben sich selbst ein Bild davon machen können, als sie in Berlin Einblick in Stasi-Unterlagen erhalten haben. Wie können die USA sichergehen, dass das Überwachungsprogramm diese Grenze nicht überschreitet? 

Ich bin nach Berlin gereist um das Stasi-Archiv zu besuchen und dort mehrere Akten einzusehen und zu übersetzen. Zwei Dinge haben mich mit Blick auf die Stasi-Überwachung besonders beeindruckt: 1) Sie war technologisch rudimentär – die Stasi musste Briefe öffnen, Telefongespräche abhören und Verdächtigen mit einem Team von Agenten folgen. Heutige Geheimdienste haben viel umfangreichere, mächtigere Werkzeuge. Und 2) Die Überwachungsmethode der Stasi war sehr effektiv. Obwohl sie nur Akten über ungefähr ein Viertel der Bevölkerung hatte, fürchtete sich jeder vor der Stasi.

Die Frage, die sich für uns dadurch stellt, ist: How können wir sichergehen dass unserer Geheimdienst, der Daten über jeden Bürger hat, diese nicht für eine Art der Unterdrückung verwendet wie es die Stasi im kommunistischen Ost-Berlin gemacht hat. Meiner Meinung nach kann die Antwort darauf nur Aufsicht und Rechenschaftspflicht heißen. Wir brauchen einen legalen und einen technischen Mechanismus, der es uns erlaubt, die Beobachter selbst zu beobachten.
Julia Angwin zu Gast bei CBS this morning. Sie spricht über ihr Buch ‘Dragnet Nation’ und darüber, wie man seine Spuren im Netz verwischen kann (Video auf englisch)

4. Glauben Sie, dass Obamas Vorstoß, das Metadatensammlungsprogramm der NSA zu stoppen, ein ausreichender Schritt ist, um die Privatsphäre des Einzelnen zu schützen? 

Das Überwachungsprogramm zu beenden und dem Geheimdienst aufzuerlegen, sichan Gerichtsurteile zu halten, bevor er Telefondaten abfischt, wäre ein guter Anfang um die Privatsphäre zu schützen.

5. Schon bald werden wir mit dem Internet der Dinge konfrontiert sein. Wir werden von Gegenständen umgeben sein, die mit dem Internet verbunden sind, unseren Alltag überwachen und unsere Daten sammeln. Wir vermuten jetzt mal, dass Sie kein großer Fan dieser Entwicklung sind. Was sind Ihre nächsten Schritte, um ihre Daten zu schützen? Bleiben Sie so analog wie nur möglich?

 

Dragnet-Nation-cover-art

Grundsätzlich habe ich gar nichts gegen das Internet der Dinge. Mein Ehemann hat in den Wänden unseres Hauses Sensoren installiert, die unsere Elektrizität und unseren Wasserverbrauch überwachen. Ich finde diese Daten sehr nützlich. Womit ich ein Problem habe ist, keine legalen Schranken dafür zu haben, dass Dinge um mich herum Daten über mich sammeln. Im Moment kann ja jeder, der einen Sensor installiert, Daten sammeln und mit ihnen tun und lassen was er will.

Ich möchte sichergehen, dass meine Daten nicht missbraucht werden. Ich vergleiche das gern mit autofahren: Wir wissen, dass Autos gefährlich sein können aber wir nutzen sie regelmäßig und fahren damit. Warum? Weil wir wissen, dass Autos gewisse Sicherheitsstandards haben, und das die Hersteller eines Autos für Sicherheitsmängel verantwortlich gemacht werden können. Ich möchte das gleiche Prinzip für meine Daten: Ich möchte die Vorteile meiner Daten nutzen, aber ich möchte auch sichergehen, dass sie nicht gegen mich verwendet werden.

6. Wir möchten Sie um Rat fragen: Nehmen wir mal an, ich möchte mein Handy jetzt nicht in Alufolie einwickeln, um es gegen Überwachung zu schützen aber ich möchte trotzdem ein paar einfache Schritte unternehmen, um meine Privatsphäre besser zu schützen. Was kann ich tun, um die Kontrolle über meine Daten wiederzuerlangen? 

Die einfachsten Dinge, die ich getan habe um meine Privatsphäre zu schützen waren: Ich bin auf sicherere Browsing-Technik umgestiegen. Ich habe mir bessere Passwörter angelegt. Und ich habe aufgehört, die Google-Suchmaschine zu benutzen. Am schwierigsten war es, mein Handy zu schützen und an die Daten zu kommen, die sogenannte Data-Broker über mich gesammelt haben. Ich habe all meine Tipps auf meiner Website aufgelistet.

 

Über Julia Angwin

Julia Angwin ist eine preisgekrönte investige Journalistin, die aktuell für die unabhängige News-Organisation ProPublica arbeitet. Von 2000 bis 2013 war Angwin als Reporterin beim Wall Street Journal tätig, wo sie ein Team anführte, dass zu Themen der Privatsphäre recherchierte und unter den Finalisten für den Pulitzer Preis im Jahr 2011 war. Ihr Buch “Dragnet Nation: A Quest for Privacy, Security and Freedom in a World of Relentless Surveillance” wird 2014 von Times Books veröffentlicht. 2003 gewann sie mit einem Team von Reportern den Pulitzer Preis für eine Geschichte über Korruption. Sie hat außerdem das Buch “Stealing MySpace: The Battle to Control the Most Popular Website in America” geschrieben. Angwin hat Mathematik an der University of Chicago studiert und besuchte die Graduate School of Business an der Columbia University.

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netwars / out of CTRL hat mit der preisgekrönten Journalistin und Autorin Julia Angwin gesprochen, die ein Buch über Privatsphäre und das Sammeln von Daten geschrieben hat. Julia hat netwars von ihrem Werk “Dragnet Nation” berichtet, in dem sie beschreibt, wie sie ein Jahr lang versucht hat, ihre digitalen Spuren zu löschen.

 

1. Wann haben Sie sich dazu entschieden, ihr Buch “Dragnet Nation: A Quest for Privacy, Security, and Freedom in a World of Relentless Surveillance” zu schreiben? Was hat den Anstoß zu diesem Projekt gegeben?

Ich habe drei Jahre lang ein Team von investigativen Journalisten geleitet, die viel zum Thema Privatsphäre recherchiert haben. In dieser Zeit bekam ich das Gefühl, dass die anhaltenden Enthüllungen darüber, wie sehr wir alle verfolgt werden und wie viele unserer Daten gesammelt werden, bei den Lesern ein Gefühl der Hilflosigkeit auslöst. Deshalb habe ich irgendwann entschieden zu untersuchen, ob ich meine eigenen Daten kontrolliern kann: Ich nenne es manchmal eine Ermittlung darüber, ob es Hoffung für den Erhalt der Privatsphäre gibt.

 

Julia Angwin (photo: Deborah Copaken Kogan)

Julia Angwin (photo: Deborah Copaken Kogan)

 

2. Haben Sie während Ihrer Recherche Anhaltspunkte dafür gefunden, dass wir nicht nur von Unternehmen beobachtet werden, sondern auch von Kriminellen? Wenn ja, was hat Sie mehr beängstigt: Im Visier von Unternehmen und Regierungen zu sein oder in dem von Cyberkriminellen? Haben Sie sich an irgendeinem Punkt bedroht gefühlt? 

Kriminelle verfolgen ganz sicher unsere persönlichen Daten. Die wirklich schlauen Hacker nutzen heutzutage persönliche Daten – von LinkedIn oder Facebook-Seiten – um ihren Opfern Emails schicken zu können, die sehr persönlich auf sie zugeschnitten sind und echt wirken. Diese Emails enthalten dann malware, die es den Hackern erlauben, den Computer der betroffenen Person anzugreifen und ihn eventuell dazu zu benutzen, um über andere Computer die Kontrolle zu erlangen zum Beispiel innerhalb eines Unternehmens. Kurz gesagt: Hacker greifen heute eher Einzelpersonen als Intsitutionen an.

3. Die Grenze zwischen Überwachung und Unterdrückung ist schmal und kann schnell überschritten werden. Sie haben sich selbst ein Bild davon machen können, als sie in Berlin Einblick in Stasi-Unterlagen erhalten haben. Wie können die USA sichergehen, dass das Überwachungsprogramm diese Grenze nicht überschreitet? 

Ich bin nach Berlin gereist um das Stasi-Archiv zu besuchen und dort mehrere Akten einzusehen und zu übersetzen. Zwei Dinge haben mich mit Blick auf die Stasi-Überwachung besonders beeindruckt: 1) Sie war technologisch rudimentär – die Stasi musste Briefe öffnen, Telefongespräche abhören und Verdächtigen mit einem Team von Agenten folgen. Heutige Geheimdienste haben viel umfangreichere, mächtigere Werkzeuge. Und 2) Die Überwachungsmethode der Stasi war sehr effektiv. Obwohl sie nur Akten über ungefähr ein Viertel der Bevölkerung hatte, fürchtete sich jeder vor der Stasi.

Die Frage, die sich für uns dadurch stellt, ist: How können wir sichergehen dass unserer Geheimdienst, der Daten über jeden Bürger hat, diese nicht für eine Art der Unterdrückung verwendet wie es die Stasi im kommunistischen Ost-Berlin gemacht hat. Meiner Meinung nach kann die Antwort darauf nur Aufsicht und Rechenschaftspflicht heißen. Wir brauchen einen legalen und einen technischen Mechanismus, der es uns erlaubt, die Beobachter selbst zu beobachten.
Julia Angwin zu Gast bei CBS this morning. Sie spricht über ihr Buch ‘Dragnet Nation’ und darüber, wie man seine Spuren im Netz verwischen kann (Video auf englisch)

4. Glauben Sie, dass Obamas Vorstoß, das Metadatensammlungsprogramm der NSA zu stoppen, ein ausreichender Schritt ist, um die Privatsphäre des Einzelnen zu schützen? 

Das Überwachungsprogramm zu beenden und dem Geheimdienst aufzuerlegen, sichan Gerichtsurteile zu halten, bevor er Telefondaten abfischt, wäre ein guter Anfang um die Privatsphäre zu schützen.

5. Schon bald werden wir mit dem Internet der Dinge konfrontiert sein. Wir werden von Gegenständen umgeben sein, die mit dem Internet verbunden sind, unseren Alltag überwachen und unsere Daten sammeln. Wir vermuten jetzt mal, dass Sie kein großer Fan dieser Entwicklung sind. Was sind Ihre nächsten Schritte, um ihre Daten zu schützen? Bleiben Sie so analog wie nur möglich?

 

Dragnet-Nation-cover-art

Grundsätzlich habe ich gar nichts gegen das Internet der Dinge. Mein Ehemann hat in den Wänden unseres Hauses Sensoren installiert, die unsere Elektrizität und unseren Wasserverbrauch überwachen. Ich finde diese Daten sehr nützlich. Womit ich ein Problem habe ist, keine legalen Schranken dafür zu haben, dass Dinge um mich herum Daten über mich sammeln. Im Moment kann ja jeder, der einen Sensor installiert, Daten sammeln und mit ihnen tun und lassen was er will.

Ich möchte sichergehen, dass meine Daten nicht missbraucht werden. Ich vergleiche das gern mit autofahren: Wir wissen, dass Autos gefährlich sein können aber wir nutzen sie regelmäßig und fahren damit. Warum? Weil wir wissen, dass Autos gewisse Sicherheitsstandards haben, und das die Hersteller eines Autos für Sicherheitsmängel verantwortlich gemacht werden können. Ich möchte das gleiche Prinzip für meine Daten: Ich möchte die Vorteile meiner Daten nutzen, aber ich möchte auch sichergehen, dass sie nicht gegen mich verwendet werden.

6. Wir möchten Sie um Rat fragen: Nehmen wir mal an, ich möchte mein Handy jetzt nicht in Alufolie einwickeln, um es gegen Überwachung zu schützen aber ich möchte trotzdem ein paar einfache Schritte unternehmen, um meine Privatsphäre besser zu schützen. Was kann ich tun, um die Kontrolle über meine Daten wiederzuerlangen? 

Die einfachsten Dinge, die ich getan habe um meine Privatsphäre zu schützen waren: Ich bin auf sicherere Browsing-Technik umgestiegen. Ich habe mir bessere Passwörter angelegt. Und ich habe aufgehört, die Google-Suchmaschine zu benutzen. Am schwierigsten war es, mein Handy zu schützen und an die Daten zu kommen, die sogenannte Data-Broker über mich gesammelt haben. Ich habe all meine Tipps auf meiner Website aufgelistet.

 

Über Julia Angwin

Julia Angwin ist eine preisgekrönte investige Journalistin, die aktuell für die unabhängige News-Organisation ProPublica arbeitet. Von 2000 bis 2013 war Angwin als Reporterin beim Wall Street Journal tätig, wo sie ein Team anführte, dass zu Themen der Privatsphäre recherchierte und unter den Finalisten für den Pulitzer Preis im Jahr 2011 war. Ihr Buch “Dragnet Nation: A Quest for Privacy, Security and Freedom in a World of Relentless Surveillance” wird 2014 von Times Books veröffentlicht. 2003 gewann sie mit einem Team von Reportern den Pulitzer Preis für eine Geschichte über Korruption. Sie hat außerdem das Buch “Stealing MySpace: The Battle to Control the Most Popular Website in America” geschrieben. Angwin hat Mathematik an der University of Chicago studiert und besuchte die Graduate School of Business an der Columbia University.