author M. Sean Coleman (photo: private)

netwars-Autor M. Sean Coleman: Nach meinen Recherchen war ich überzeugt, man würde mich beobachten

Seit Mitte Mai ist die netwars Graphic Novel App “The Butterfly Attack” auf dem Markt. Die Story: Ein Elite-Hackerteam soll im Auftrag der norwegischen Regierung einen Stresstest durchführen und zur Probe die norwegische Stromversorgung hacken. Was als Übung gedacht ist, wird bittere Realtität – und für das Team beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Erdacht hat die Story der britische Autor M. Sean Coleman. Sean hat nicht nur an der Graphic Novel App mitgewirkt, sondern auch das ebook “The Code” geschrieben, in dem er den Leser in die dunkle Unterwelt des Internets, das Deep Web, eintauchen lässt. netwars / out of CTRL hat mit Sean über seine Arbeit am Buch und an der Graphic Novel App gesprochen.

Erzähl unseren Lesern bitte ein bisschen von dir und wie du zu netwars gekommen bist.

Geboren wurde ich in Großbritannien, aber ich bin in Südafrika aufgewachsen. Ich habe schon früh angefangen Geschichten zu schreiben und konnte diese Leidenschaft dank einiger sehr guter Englisch-Lehrer in der Schule vertiefen. Ich habe Drehbuchschreiben für Film und Fernsehen an der Bournemouth Universität studiert und dann meinen Master in Drehbuchschreiben am London College of Printing gemacht.

Meinen ersten richtig bezahlten Schreib-Job bekam ich von Douglas Adams. Ich habe an der Onlineversion von Hitchhikers Guide to the Galaxy (Per Anhalter durch die Galaxis) mitgearbeitet. Es war ein toller Job, der mir damals (Mitte der Neunziger) eine erste Idee gegeben hat, wie man das Internet für Unterhaltungssendungen nutzen kann.

Das Internet hat seitdem viel verändert – und auch die Art und Weise, wie wir unser Unterhaltungsprogramm beziehen. Netwars ist ein tolles Beispiel für diesen Wandel. Ich wurde zuerst gebeten, die Story und Drehbücher für die Graphic Novel zu schreiben – warum die Produzenten mich gewählt haben, können nur sie selbst sagen; aber ich bin sehr froh, dass sie es getan haben. Die Herausforderung, für das Format der Graphic Novel zu schreiben, kombiniert mit dem Themenkomplex Cyberwar, Cyberterrorismus und Cyberkriminalität war einfach zu spannend, um es nicht zu tun.

Leseprobe aus “Der Code”:

Wie hast du die Geschichte entwickelt? Was hat dich inspiriert? 

Wir hatten ein Meeting mit einer großen Anzahl an Leuten, die in das Projekt involviert sind. Die Idee dahinter war, gemeinsam ein Konzept zu entwickeln, was das Projekt als ganzes dem Publikum vermitteln soll. Für mich war eine der größten Herausforderungen beim fiktionalen Schreiben, dass all meine Ideen die Grenze der Realtität nicht überschreiten durften. Wenn die TV-Dokumentation  klar feststellt, dass der Cyberwar nicht stattfinden wird, kann ich in der Graphic Novel nicht behaupten er würde stattfinden.

Am Anfang hatte ich jede Menge wilder Ideen, die aber mehr im Bereich der Science Fiction lagen, wenn ich ehrlich bin. Nach intensiver Recherche und einiger längerer Gespräche mit den Experten, die das Projekt beraten haben, entwickelte ich langsam eine Geschichte, mit der ich zufrieden war und die dem Team von Filmtank auch gefallen hat. Zu dieser Zeit gab es nicht so viele Medienberichte über dieses Thema, aber es gab genügend Informationen online wenn man wusste wo man graben musste. Ich fand alte Präsentationen und Briefings für Kriegsübungen und Cyberkriegsübungen, die den Anstoß für die Story gaben.

Wie vertraut warst Du mit dem Cyber-Thema, als Du anfingst für netwars zu arbeiten?
Es war nicht komplett neu für mich. Ich lese ohnehin viele Technik- und Wissenschaftsjournale und kenne auch jede Menge Leute, die in der IT-Industrie arbeiten. Ich hatte bereits vom Deep Web gehört, von Tor, Silk Road und all diesen Sachen. Aber ich hatte noch nicht darüber nachgedacht, inwieweit diese Dinge eine Gefahr für uns als Individuen und für Nationalstaaten darstellen können. Ich war schon immer ein kleiner Technikfreak, deshalb fiel es mir nicht schwer, die technologische Seite zu recherchieren.

Wie bereits erwähnt war es für mich schwieriger, die Grenze zwischen Realtität und Fiktion zu ziehen. Ich war mir im Klaren darüber, dass das Publikum dieses Projekts es nicht besonders schätzen würde, wenn ich einfach Dinge erfinde. Deshalb habe ich eine Menge Zeit damit verbracht zu recherchieren, was wirklich passieren kann und was nicht realistisch ist. Natürlich ist die Story immer noch Fiktion, deshalb sollte es möglich sein, die Realität bis zu den Grenzen der Plausibilität ein bisschen zu dehnen – ich hoffe, dass ich das gut hinbekommen habe.

Du hast für „Der Code“ auch zum Deep Web recherchiert. Was hast du dort entdeckt und wie hast du dich dabei gefühlt? Hattest du zu irgendeinem Zeitpunkt Angst oder hast dich bedroht gefühlt?

Netwars - Der Code 1

Ich habe wirklich eine Menge recherchiert. Wahrscheinlich sogar mehr als nötig, wenn ich so darüber nachdenke, was davon letztendlich in die Geschichte eingeflossen ist. Es war aber gar nicht so sehr die Recherche zum Deep Web, die mich verunsichert hat. Vielmehr haben mich meine Recherchen dazu, wie man Autos,  Flugzeuge, Aufzüge und Regierungscomputer hackt, irgendwann glauben lassen, dass ich eventuell beobachtet werde. Irgendwann traf mich die Erkenntnis, dass man mir im Falle eines realen Cyber-Angriffs vielleicht einen Besuch abstatten würde. Aber wenigstens würde ich den Beamten dann mein Buch zeigen können – etwas, das echte Terroristen wohl nicht als Entschuldigung vorweisen können.

Während ich das Buch schrieb, verkauften unsere Nachbarn ihr Haus. Ich war der festen Überzeugung, dass sie es an die National Crime Agency verkauft haben. Vielleicht haben sie das wirklich – aber es sind tolle neue Nachbarn! Mir fiel auch auf, dass manchmal stundenlang Vans ohne Nummernschilder in der Straße parkten. Ich hatte das Gefühl, mit unserer Internetverbindung würde etwas nicht stimmen oder ich nahm komische Verbindungen auf meinem Telefon wahr. Das Problem ist, wenn man sich den ganzen Tag in einem Raum einschließt um zu schreiben, wird man ohnehin paranoid. Wenn man dann auch noch über einen Cyber-Angriff schreibst, bist Du verloren!

Was ich versucht habe im Buch rüberzubringen ist dass das Deep Web ein Ort ist, an dem alles anonym gekauft oder verkauft werden kann, egal ob legal oder illegal: Leben und sterben, richtig und falsch – es ist alles anders da unten. Wenn ich Leuten davon erzähle, über was ich da gestolpert bin, fragen Sie mich warum niemand etwas dagegen tut. Ich sage Ihnen dann, dass es Bemühungen gibt, aber dass man mit der Entwicklung da unten einfach nicht mithalten kann. Es macht den Leuten Angst. Wir glauben ja gern, dass wir sicher und wohlbehütet sind und dass uns solche Sachen nicht passieren können. In den meisten Fällen sind wir vor solchen Gefahren sicher, aber das gleiche hoffen wir auch von Serienkillern und Axt-mordenden Anhaltern und irgendwie nehmen wir die ernster als die digitale Gefahr.

Hat die Arbeit für netwars deine Sichtweise auf das Thema verändert? Machst du dir mittlerweile Sorgen um Cyber-Sicherheit oder Überwachung?

Es hat mir auf jeden Fall vor Augen geführt, dass es Dinge gibt, mit denen ich mich selbst schützen kann. Es hat mich aber auch nervöser gemacht, wenn es darum geht in einen Aufzug zu steigen oder in Autos die selbst einparken können, in kleine Flugzeuge… ich bin ein kleiner Fatalist wenn es um solche Dinge geht. Wenn es passiert, stehen wir sowieso alle blöd da. Ich persönlich finde wir müssen alle etwas dafür tun um es Leuten zu erschweren, alles über uns herauszufinden. Egal ob das Regierungen sind oder Leute mit bösen Absichten – unsere privaten Daten sollten privat bleiben.

Ich muss lächeln wenn ich daran denke, dass die Leute hier in Großbritannien auf die Straße gegenagen sind, um gegen den geplanten Personalausweis zu demonstrieren, weil er zu viel Informationen über unser Privatleben enthalten sollte. Die gleichen Leute haben kein zweites Mal nachgedacht, als Sie sich bei Facebook angemeldet haben, wo sie jetzt alles mit aller Welt teilen. Die Leute scheinen sich nicht bewusst zu machen, wie viel Informationen sie einfach so preisgeben. Ich bin mir darüber jetzt viel mehr im Klaren.

hacker attack

Natürlich habe ich eine Reihe von sehr komplexen Passwörtern. Aber wie ich aus meinen Recherchen weiß, hilft das ohnehin nicht viel wenn jemand in der Lage ist, einen Keylogger auf dem Computer zu installieren – und das ist recht einfach zu machen. Ich arbeite mit der Annahme, dass ich zu langweilig bin, um mich lange zu beobachten, zu arm um mich auszurauben und zu sensibel um radikalisiert zu werden. Und wenn jemand wirklich etwas gegen mich hat glaube ich außerdem, dass es einfachere Wege gibt mich aus dem Weg zu räumen als meine Technik gegen mich zu verwenden. In diesem Fall bleibt man nur vielleicht nicht ganz so anonym.

Der Trailer für die Graphic Novel App:

Was sind deine nächsten Projekte?

Ich arbeite an einem interaktiven Drehbuch für Vorschulkinder, das im Sommer für iPads und Android Tablets veröffentlicht wird. Es heißt „Milli’s Adventures on Apple-Tree Hill“ und dreht sich um eine kleine Schnecke namens Milli, die nicht weiß wie man sich als Schnecke verhält und in wundervollen Abenteuern mehr über sich selbst lernt. Erdacht und illustriert hat das ganze die wundervolle Jana Schell und ich freue mich so sehr, dass ich die Geschichte dazu schreiben darf. Mittlerweile habe ich auch damit begonnen, die Vorgeschichte für „Der Code“ zu schreiben. Also: Augen offen halten, Ende des Jahres kommt das zweite Buch!

 

Über M. Sean Coleman:

Sean wurde in Großbritannien geboren und ist in Südafrika aufgewachsen. Er ist Drehbuchschreiber, Autor und preisgekrönter Autor und Produzent von multimedialen Dramen und Reality-Serien. Er hat einen Bachelor in Drehbuchschreiben von der Bournemouth Universität und machte seinen Master am London College for Printing. Sein Buch „Der Code“ ist erhältlich in Englisch, Deutsch und Chinesisch auf Amazon, im iTunes store und bei Google Books. Weitere Informationen gibt es auf seiner Homepage: http://www.mseancoleman.co.uk/

,,,,,,,,

Seit Mitte Mai ist die netwars Graphic Novel App “The Butterfly Attack” auf dem Markt. Die Story: Ein Elite-Hackerteam soll im Auftrag der norwegischen Regierung einen Stresstest durchführen und zur Probe die norwegische Stromversorgung hacken. Was als Übung gedacht ist, wird bittere Realtität – und für das Team beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Erdacht hat die Story der britische Autor M. Sean Coleman. Sean hat nicht nur an der Graphic Novel App mitgewirkt, sondern auch das ebook “The Code” geschrieben, in dem er den Leser in die dunkle Unterwelt des Internets, das Deep Web, eintauchen lässt. netwars / out of CTRL hat mit Sean über seine Arbeit am Buch und an der Graphic Novel App gesprochen.

Erzähl unseren Lesern bitte ein bisschen von dir und wie du zu netwars gekommen bist.

Geboren wurde ich in Großbritannien, aber ich bin in Südafrika aufgewachsen. Ich habe schon früh angefangen Geschichten zu schreiben und konnte diese Leidenschaft dank einiger sehr guter Englisch-Lehrer in der Schule vertiefen. Ich habe Drehbuchschreiben für Film und Fernsehen an der Bournemouth Universität studiert und dann meinen Master in Drehbuchschreiben am London College of Printing gemacht.

Meinen ersten richtig bezahlten Schreib-Job bekam ich von Douglas Adams. Ich habe an der Onlineversion von Hitchhikers Guide to the Galaxy (Per Anhalter durch die Galaxis) mitgearbeitet. Es war ein toller Job, der mir damals (Mitte der Neunziger) eine erste Idee gegeben hat, wie man das Internet für Unterhaltungssendungen nutzen kann.

Das Internet hat seitdem viel verändert – und auch die Art und Weise, wie wir unser Unterhaltungsprogramm beziehen. Netwars ist ein tolles Beispiel für diesen Wandel. Ich wurde zuerst gebeten, die Story und Drehbücher für die Graphic Novel zu schreiben – warum die Produzenten mich gewählt haben, können nur sie selbst sagen; aber ich bin sehr froh, dass sie es getan haben. Die Herausforderung, für das Format der Graphic Novel zu schreiben, kombiniert mit dem Themenkomplex Cyberwar, Cyberterrorismus und Cyberkriminalität war einfach zu spannend, um es nicht zu tun.

Leseprobe aus “Der Code”:

Wie hast du die Geschichte entwickelt? Was hat dich inspiriert? 

Wir hatten ein Meeting mit einer großen Anzahl an Leuten, die in das Projekt involviert sind. Die Idee dahinter war, gemeinsam ein Konzept zu entwickeln, was das Projekt als ganzes dem Publikum vermitteln soll. Für mich war eine der größten Herausforderungen beim fiktionalen Schreiben, dass all meine Ideen die Grenze der Realtität nicht überschreiten durften. Wenn die TV-Dokumentation  klar feststellt, dass der Cyberwar nicht stattfinden wird, kann ich in der Graphic Novel nicht behaupten er würde stattfinden.

Am Anfang hatte ich jede Menge wilder Ideen, die aber mehr im Bereich der Science Fiction lagen, wenn ich ehrlich bin. Nach intensiver Recherche und einiger längerer Gespräche mit den Experten, die das Projekt beraten haben, entwickelte ich langsam eine Geschichte, mit der ich zufrieden war und die dem Team von Filmtank auch gefallen hat. Zu dieser Zeit gab es nicht so viele Medienberichte über dieses Thema, aber es gab genügend Informationen online wenn man wusste wo man graben musste. Ich fand alte Präsentationen und Briefings für Kriegsübungen und Cyberkriegsübungen, die den Anstoß für die Story gaben.

Wie vertraut warst Du mit dem Cyber-Thema, als Du anfingst für netwars zu arbeiten?
Es war nicht komplett neu für mich. Ich lese ohnehin viele Technik- und Wissenschaftsjournale und kenne auch jede Menge Leute, die in der IT-Industrie arbeiten. Ich hatte bereits vom Deep Web gehört, von Tor, Silk Road und all diesen Sachen. Aber ich hatte noch nicht darüber nachgedacht, inwieweit diese Dinge eine Gefahr für uns als Individuen und für Nationalstaaten darstellen können. Ich war schon immer ein kleiner Technikfreak, deshalb fiel es mir nicht schwer, die technologische Seite zu recherchieren.

Wie bereits erwähnt war es für mich schwieriger, die Grenze zwischen Realtität und Fiktion zu ziehen. Ich war mir im Klaren darüber, dass das Publikum dieses Projekts es nicht besonders schätzen würde, wenn ich einfach Dinge erfinde. Deshalb habe ich eine Menge Zeit damit verbracht zu recherchieren, was wirklich passieren kann und was nicht realistisch ist. Natürlich ist die Story immer noch Fiktion, deshalb sollte es möglich sein, die Realität bis zu den Grenzen der Plausibilität ein bisschen zu dehnen – ich hoffe, dass ich das gut hinbekommen habe.

Du hast für „Der Code“ auch zum Deep Web recherchiert. Was hast du dort entdeckt und wie hast du dich dabei gefühlt? Hattest du zu irgendeinem Zeitpunkt Angst oder hast dich bedroht gefühlt?

Netwars - Der Code 1

Ich habe wirklich eine Menge recherchiert. Wahrscheinlich sogar mehr als nötig, wenn ich so darüber nachdenke, was davon letztendlich in die Geschichte eingeflossen ist. Es war aber gar nicht so sehr die Recherche zum Deep Web, die mich verunsichert hat. Vielmehr haben mich meine Recherchen dazu, wie man Autos,  Flugzeuge, Aufzüge und Regierungscomputer hackt, irgendwann glauben lassen, dass ich eventuell beobachtet werde. Irgendwann traf mich die Erkenntnis, dass man mir im Falle eines realen Cyber-Angriffs vielleicht einen Besuch abstatten würde. Aber wenigstens würde ich den Beamten dann mein Buch zeigen können – etwas, das echte Terroristen wohl nicht als Entschuldigung vorweisen können.

Während ich das Buch schrieb, verkauften unsere Nachbarn ihr Haus. Ich war der festen Überzeugung, dass sie es an die National Crime Agency verkauft haben. Vielleicht haben sie das wirklich – aber es sind tolle neue Nachbarn! Mir fiel auch auf, dass manchmal stundenlang Vans ohne Nummernschilder in der Straße parkten. Ich hatte das Gefühl, mit unserer Internetverbindung würde etwas nicht stimmen oder ich nahm komische Verbindungen auf meinem Telefon wahr. Das Problem ist, wenn man sich den ganzen Tag in einem Raum einschließt um zu schreiben, wird man ohnehin paranoid. Wenn man dann auch noch über einen Cyber-Angriff schreibst, bist Du verloren!

Was ich versucht habe im Buch rüberzubringen ist dass das Deep Web ein Ort ist, an dem alles anonym gekauft oder verkauft werden kann, egal ob legal oder illegal: Leben und sterben, richtig und falsch – es ist alles anders da unten. Wenn ich Leuten davon erzähle, über was ich da gestolpert bin, fragen Sie mich warum niemand etwas dagegen tut. Ich sage Ihnen dann, dass es Bemühungen gibt, aber dass man mit der Entwicklung da unten einfach nicht mithalten kann. Es macht den Leuten Angst. Wir glauben ja gern, dass wir sicher und wohlbehütet sind und dass uns solche Sachen nicht passieren können. In den meisten Fällen sind wir vor solchen Gefahren sicher, aber das gleiche hoffen wir auch von Serienkillern und Axt-mordenden Anhaltern und irgendwie nehmen wir die ernster als die digitale Gefahr.

Hat die Arbeit für netwars deine Sichtweise auf das Thema verändert? Machst du dir mittlerweile Sorgen um Cyber-Sicherheit oder Überwachung?

Es hat mir auf jeden Fall vor Augen geführt, dass es Dinge gibt, mit denen ich mich selbst schützen kann. Es hat mich aber auch nervöser gemacht, wenn es darum geht in einen Aufzug zu steigen oder in Autos die selbst einparken können, in kleine Flugzeuge… ich bin ein kleiner Fatalist wenn es um solche Dinge geht. Wenn es passiert, stehen wir sowieso alle blöd da. Ich persönlich finde wir müssen alle etwas dafür tun um es Leuten zu erschweren, alles über uns herauszufinden. Egal ob das Regierungen sind oder Leute mit bösen Absichten – unsere privaten Daten sollten privat bleiben.

Ich muss lächeln wenn ich daran denke, dass die Leute hier in Großbritannien auf die Straße gegenagen sind, um gegen den geplanten Personalausweis zu demonstrieren, weil er zu viel Informationen über unser Privatleben enthalten sollte. Die gleichen Leute haben kein zweites Mal nachgedacht, als Sie sich bei Facebook angemeldet haben, wo sie jetzt alles mit aller Welt teilen. Die Leute scheinen sich nicht bewusst zu machen, wie viel Informationen sie einfach so preisgeben. Ich bin mir darüber jetzt viel mehr im Klaren.

hacker attack

Natürlich habe ich eine Reihe von sehr komplexen Passwörtern. Aber wie ich aus meinen Recherchen weiß, hilft das ohnehin nicht viel wenn jemand in der Lage ist, einen Keylogger auf dem Computer zu installieren – und das ist recht einfach zu machen. Ich arbeite mit der Annahme, dass ich zu langweilig bin, um mich lange zu beobachten, zu arm um mich auszurauben und zu sensibel um radikalisiert zu werden. Und wenn jemand wirklich etwas gegen mich hat glaube ich außerdem, dass es einfachere Wege gibt mich aus dem Weg zu räumen als meine Technik gegen mich zu verwenden. In diesem Fall bleibt man nur vielleicht nicht ganz so anonym.

Der Trailer für die Graphic Novel App:

Was sind deine nächsten Projekte?

Ich arbeite an einem interaktiven Drehbuch für Vorschulkinder, das im Sommer für iPads und Android Tablets veröffentlicht wird. Es heißt „Milli’s Adventures on Apple-Tree Hill“ und dreht sich um eine kleine Schnecke namens Milli, die nicht weiß wie man sich als Schnecke verhält und in wundervollen Abenteuern mehr über sich selbst lernt. Erdacht und illustriert hat das ganze die wundervolle Jana Schell und ich freue mich so sehr, dass ich die Geschichte dazu schreiben darf. Mittlerweile habe ich auch damit begonnen, die Vorgeschichte für „Der Code“ zu schreiben. Also: Augen offen halten, Ende des Jahres kommt das zweite Buch!

 

Über M. Sean Coleman:

Sean wurde in Großbritannien geboren und ist in Südafrika aufgewachsen. Er ist Drehbuchschreiber, Autor und preisgekrönter Autor und Produzent von multimedialen Dramen und Reality-Serien. Er hat einen Bachelor in Drehbuchschreiben von der Bournemouth Universität und machte seinen Master am London College for Printing. Sein Buch „Der Code“ ist erhältlich in Englisch, Deutsch und Chinesisch auf Amazon, im iTunes store und bei Google Books. Weitere Informationen gibt es auf seiner Homepage: http://www.mseancoleman.co.uk/